Verhaltensforschung

Warum sie einander verstehen
Warum können Hunde die Zeigegesten und Blicke der Menschen nahezu perfekt deuten und können auch Hunde ihrerseits solche Signale, für den Menschen verständlich, aussenden?
Nach mehreren Testreihen glauben die Wissenschaftler die Lösung für die erste Frage gefunden zu haben – die Domestikation. Auf Grund des langen Zusammenlebens gehen die Forscher davon aus, dass der Hund sich immer mehr an den Menschen angepasst hat und gelernt hat, die Gesten des Menschen zu deuten, um das Zusammenleben einfacher zu machen. Skeptiker hingegen bemängeln an dieser Theorie, dass nicht nur der Hund ein domestiziertes Haustier des Menschen ist und dass beispielsweise Katzen, die im direkten Vergleich mit Hunden spezielle Tests durchlaufen mussten, Zeigegesten des Menschen nur in sehr geringem Maße verstehen. Die Fürsprecher der Theorie, dass das Verstehen der Zeigegesten für Hunde auf Grund der Domestikation kein Problem darstellt, vermuten, dass zusätzlich zur Domestikation die ähnlichen sozialen Strukturen von Mensch und Hund dazu beitragen, dass Hunde die Gesten der Menschen verstehen. Auch die Versuchsergebnisse der zweiten Frage konnten mit dieser Theorie begründet werden. Die Forscher kamen einhellig zu dem Ergebnis, dass Hunde nicht nur menschliche Gesten verstehen, sondern auch selbst den Menschen (z.B. durch Blicke, Blickwechsel, Bellen, Körper und/oder Kopfhaltung in eine bestimmte Richtung) Gesten aussenden, die der Mensch eindeutig versteht. (BM/TAZ 2010)

Der Sprachführer
Verstehen Hunde die menschliche Sprache? Ausgelöst hatte diese Frage ein Bordercollie mit dem Namen Rico, der nach den Angaben seiner Besitzerin über 200 seiner Spielsachen auseinander halten und jedes einzelne auf Wunsch bringen konnte. Die Wissenschaftler wollten in einigen Versuchen klären, ob es sich bei diesem Phänomen um reines konditionelles Training handelte oder ob Rico tatsächlich menschliche Sprache verstand. Bei den Versuchen jubelten sie dem Border Collie mehrere Spielsachen unter, die er noch nicht kannte und Rico brachte mit einer sehr hohen Trefferquote die für ihn unbekannten Spielsachen. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass Rico nach dem „Ausschlussprinzip“ arbeitet, welches eine menschliche Eigenschaft ist und die Kinder im Alter von 3 Jahren praktizieren. Da diese bemerkenswerte Fähigkeit, sich unglaublich viele Gegenstände anhand der Namen zu merken lediglich bei Border Collies bekannt ist, gehen die Wissenschaftler von einer rassespezifischen Eigenschaft aus. In weiteren Testreihen soll jedoch erörtert werden, ob auch andere Hunde dieses Sprachverständnis aufweisen. (BM/TAZ 2010)

Das Hundelexikon
Ob Hunde tatsächlich die Bedeutung von Worten verstehen erforschten die Wissenschaftler ebenfalls. Es wurden Versuche mit mehreren Hundebesitzern durchgeführt, die einen Fragebogen ausfüllen mussten, in dem sie alle Wörter oder Sätze aufschreiben mussten, die sie zur Kommunikation mit ihrem Hund nutzten und einschätzen sollten, ob und wie der Hund auf das vom Menschen Gesagte reagierte. Die Forscher kamen nach der Auswertung der Daten zu dem Ergebnis, dass Hunde die menschliche Sprache zu einem gewissen Grad verstehen und diese durch die Vielzahl der Wiederholungen und dazugehörige Belohnungen abspeichern und darauf reagieren. Bemerkenswert fanden die Wissenschaftler, dass die Kommunikation im Laufe der Zeit zwischen Hund und Halter vielfältiger wird. (BM/TAZ 2010)

Die Macht des Wortes
Ein weiteres Forschungsziel der Wissenschaftler war zu ergründen, ob Hunde die ihnen bekannten Begriffe lediglich durch Konditionierung lernen, ob sie unterschiedliche Aussprachen und Tonfälle unterscheiden können und ob sie sich beim Bewältigen von Aufgaben durch die menschliche Sprache beeinflussen lassen.
Dieses Gebiet wurde bis jetzt noch relativ sporadisch erforscht, doch kamen die Wissenschaftler bei ihren Versuchen zu folgenden Ergebnissen: Hunde lernen nicht nur Begriffe der menschlichen Sprache auf Grund von Konditionierung sondern auch durch mehrmaliges Wiederholen der Begriffe. Wenn Kommandos in der Aussprache abgeändert werden, fällt dies den Hunden sofort auf und sie reagieren darauf, indem sie diese verzögert bis gar nicht ausführen. Beim Versuch, ob Hunde auch unterschiedliche Stimmungen unterscheiden können ist ganz klar erkennbar, dass Hunde dazu sehr gut in der Lage sind. Sie reagieren übermäßig auf freundliche Tonlagen, können bei aggressiven jedoch, sollten sie dies nicht gewohnt sein, den Gehorsam verweigern. Auch beim Bewältigen von gestellten Aufgaben war klar erkennbar, dass sich Hunde dabei vermehrt auf das menschliche Zureden verlassen. Sie lassen sogar ihre stark ausgeprägten Sinne außer Acht, wenn der Mensch ihnen verbale Anweisungen gibt. (BM/TAZ 2010)

Wenn Hunde sprechen
Das Bellen wird als „die Sprache des Hundes“ bezeichnet und die Wissenschaftler wollten untersuchen, warum Hunde Bellen und ob es Unterschiede bei den Bellgeräuschen gibt. Nach Auswertung mehrerer Bellaufnahmen sind die Forscher zu dem Ergebnis gelangt, dass es tatsächlich Unterschiede beim Gebell gibt. Hunde bellen anders, wenn sie einen Eindringling vertreiben wollen, als wenn sie Freude am Spiel signalisieren wollen. Um eine abschließende Klärung darüber zu erlangen, ob Mensch und Hund trotz der unterschiedlichen Sprache eine Kommunikation führen können, wurde getestet, ob auch der Mensch die Unterschiede beim Bellen erkennen und diese auch richtig einordnen kann. Die Auswertung ergab erstaunlicherweise, dass Menschen, auch jene, die gar keine Erfahrungen mit Hunden haben, das Bellen korrekt einordnen und unterscheiden können. (BM/TAZ 2010)

Das Wolfsexperiment
Ist die Anhänglichkeit von Hunden gegenüber dem Menschen bezüglich des engen Kontakts angelernt, oder ist dies ein Ergebnis der Domestikation? Um auch Skeptiker von ihren Ergebnissen zu überzeugen, entschieden sich die Wissenschaftler dazu, den Hund einem ihm verwandten Lebewesen gegenüberzustellen – dem Wolf. Die dazu ausgesuchten Wölfe wurden bereits nach 3 – 6 Tagen nach der Geburt den Betreuern übergeben, die diese wie Hundewelpen aufzogen und sozialisierten. Erste Resultate konnten die Wissenschaftler bereits nach 3 – 5 Wochen ermitteln. Während die Hunde die Nähe des Menschen in jeder Situation genossen, zeigten die Wolfswelpen bereits in diesem zarten Alter durch Anknurren, dass ihnen der Kontakt in dem Moment nicht gewünscht war. Auch in Bezug auf andere Verhaltensweisen unterschieden sich Wolf und Hund entscheidend. In einem Experiment lief ein junger Wolf auf seinen Betreuer zu, krabbelte auf dessen Schoss und schlief dort ein. Ein gleichaltriger Hund hingegen, blieb vor seinem Betreuer stehen und sschaute ihn an.  Er unternahm keinen Versuch, auf den Schoß zu krabbeln. Im Gegenteil, er setzte sich hin und bellte – in der Absicht der Kontaktaufnahme, wie die Wissenschaftler später interpretierten – seinen Betreuer an. Da die Wölfe den direkten Blickkontakt zum Betreuer mieden, wohingegen Hunde ständig den Blickkontakt suchten, schlossen die Wissenschaftler daraus, dass der Mensch bei der Domestikation gezielt Tiere mit dieser Eigenschaft ausgesucht und weitergezüchtet hat, wobei dieses Verhalten, genau wie die Anhänglichkeit des Hundes zum Menschen, von einer Generation zur nächsten vererbt, sich bereits in den Genen der Hunde manifestierte. (BM/TAZ 2010)

Die Magie des Augenblicks
Forschungsergebnisse eingehender Studien machen deutlich, dass Hunde stets bemüht sind, den direkten Blickkontakt zu ihrem Menschen zu haben, da bereits der Blickkontakt für Hunde ein Mittel zur Kommunikation ist. Weiterhin scheint bewiesen zu sein, dass Hunde nahezu den gleichen Hinweisen zum Aufbau einer Kommunikation folgen, wie der Mensch und dass sie daher zwischen den verschiedenen Stufen der Aufmerksamkeit unterscheiden können. (BM/TAZ 2010)

Tarnen und Täuschen
Weitere Studien sollten abklären, inwieweit sich Hunde ohne direkten Blickkontakt in ihrem Verhalten beeinflussen lassen bzw. ob die Hunde ein Kommando auch ohne direkten Blickkontakt weiter ausführen.
Auf Grund der durchgeführten Tests, kamen die Wissenschaftler zu einem recht eindeutigen Ergebnis. Die Hunde fühlten sich ohne direkten Sichtkontakt (z.B. Trennung durch Sichtschutz, Besitzer wendet Hund den Rücken zu, Besitzer konzentriert den Blick auf anderes Objekt…) zu ihrem Besitzer so sicher, dass sie den Aufforderungen im „Platz“ zu verbleiben oder Futterbröckchen zu ignorieren nicht weiter nachgingen.
Das von den Forschern ermittelte Resultat dieser Versuchsreihe lautet wie folgt: „Die vorliegenden Experimente stützen eindeutig frühere Beobachtungen, dass Hunde die Aufmerksamkeit anderer erkennen und zwischen verschiedenen Stufen von Aufmerksamkeit differenzieren können.“ * Der Hund versteht es, wie kein zweites Lebewesen, sich in den Menschen hineinzuversetzen und dessen Verhalten zu interpretieren und daraus resultierend Entscheidungen des eigenen Verhaltens betreffend zu treffen. (BM/TAZ 2010)

Eine Frage des Geistes
Mehrere Versuche sollten Aufschluss darüber geben, ob Hunde tatsächlich über die Fähigkeit verfügen, sich bewusst in den Menschen hineinzuversetzen oder ob es lediglich der langen gemeinsamen Vergangenheit von Mensch und Hund zu verdanken ist, dass Hunde, auf Grund von den ihnen möglichen kognitiven Lernprozessen, menschliches Verhalten interpretieren und darauf reagieren können. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass der Hund genau weiß, dass der Besitzer ihn nicht im Auge hat, wenn dieser einer anderen Tätigkeit nachgeht und der Hund somit seinem Verhalten scheinbar ungestört nachgehen kann. (BM/TAZ 2010)

Soziales Lernen bei Hunden
Hunde beherrschen „soziales Lernen“ sehr gut. Auf Grund der Tatsache, dass Hunde, genau wie ihre wilden Vorfahren die Wölfe, in einer strengen Hierarchie leben und in einem Rudel die untergeordneten Tiere den ranghöheren folgen und ihnen vertrauen, ist es für den Hund nur selbstverständlich, seinem Rudelführer, der in der heutigen Zeit der Mensch ist, nachzueifern und sich auf ihn bei der Lösung von Problemen zu verlassen. Dies konnte wie bereits in den vorherigen Kapiteln bereits erwähnt, nur dadurch gewährleistet werden, dass der Mensch zu Beginn der Wolf-Mensch-Beziehung gezielt die Tiere auserwählte, die dieses Verhalten am stärksten zeigten. Der Hund ist ein Spezialist darin, Mimik und Gestik des Menschen genau zu lesen und dessen Gefühle zu interpretieren und dann gezielt darauf zu reagieren. (BM/TAZ 2010)

Hunde mit Persönlichkeit
Kann das Verhalten von Hunden generalisiert werden, oder müssen rassespezifische Unterschiede beachtet werden? Generell gilt, dass Hunde rassespezifische Verhaltensweisen aufweisen, die durch die gezielte Züchtung verankert sind. (BM/TAZ 2010)

Teamarbeit
Wie wirkt sich das Verhalten des Menschen auf den Hund aus und wie arbeiten beide zusammen? Nach verschiedenen Tests mit „normalen“ Hunden und Blindenführhunden stellten die Forscher fest, dass das Kooperieren mit dem Menschen eine bereits im Hund veranlagte Fähigkeit sein muss. Es scheint dem Hund angeboren zu sein, auf das Verhalten seines Besitzers zu reagieren und mit ihm zusammen zu agieren. (BM/TAZ 2010)

Fast ein Mensch
Nach Auswertung durchgeführter Versuche kamen die Forscher zu dem einhelligen Ergebnis, dass Hunde Zeigegesten des Menschen sehr gut verstehen. Der Meinung der Forscher zufolge, ist auch dieses Verhalten bereits im Hund veranlagt und muss nicht antrainiert werden. Hunde verstehen deutliche Zeigegesten sehr genau und können auch an den Blickrichtungen der Menschen ablesen, in welche Richtung sie sich begeben sollen.
Die erlangen Testergebnisse wurden mit Testreihen verglichen, die andere Wissenschaftler zum selben Thema mit Schimpansen und anderen Affen durchgeführt hatten. Hier war besonders markant, dass Hunde die Zeigegesten besser verstehen, als die dem Menschen an ähnlichste Tierart. (BM/TAZ 2010)

Das Kind im Hund
Hunde hängen an ihren Besitzern und die Wissenschaftler haben dies mit dem Verhalten zwischen Eltern und deren Kindern verglichen. In mehreren Versuchsreihen wurden die Hunde in unbekannten Umgebungen von Ihrem Halter getrennt, mussten also allein in einem Raum verbleiben oder verblieben mit einer für den Hund fremden Person in diesem Raum. Ziel war es, herauszufinden, ob Hunde zwischen ihrem Besitzer und der Fremden Person unterscheiden können oder ob Hunde zu jedem Menschen eine Bindung der gleichen Intensität haben. Die Auswertung der Testresultate ergab, dass Hunde sehr wohl zwischen ihren Besitzern und einer fremden Person unterscheiden können, da die Intensität der Kontaktaufnahme zu der fremden Person eher gering ausfiel. Die Wissenschaftler gaben sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden, da die getesteten Hunde bereits ihr ganzes Leben mit ihren jetzigen Besitzern verbrachten und sich die enge Bindung daher erklären ließe. Sie weiteten den Versuch auf Tierheimhunde aus, die bereits seit mindestens 2 MMonaten im Tierheim waren und täglich lediglich durch eine Person kurzzeitig betreut wurden. Enger Kontakt zu Menschen konnte hier ausgeschlossen werden. Ein Wissenschaftler verbrachte nun mit den ausgesuchten Tierheimhunden innerhalb von 3 Tagen viel Zeit. Danach wiederholten die Forscher das Experiment, wobei der Forscher, der in den letzten 3 Tagen intensiven Kontakt zu den Hunden hatte die halterähnliche Position erfüllte. Das verblüffende Ergebnis war, dass die Hunde bereits in der kurzen Zeitspanne von 3 Tagen, den Forscher, der sie betreut hatte, als ihre Bezugsperson ansahen und diese schlussfolgerten daraus, dass es ein Grundbedürfnis des Hundes nach sozialem Kontakt gibt und dass er den Mensch als artverwandt ansieht, wobei er die Gesellschaft eines Menschen, der eines Hundes vorziehen würde. (BM/TAZ 2010)

Hunde und die Physik
In weiteren Versuchsreihen, die darauf abzielten, herauszufinden, ob und inwieweit Hunde einfachste physikalische Gesetze verstehen und ob es Hunden möglich ist logische Lösungsschritte zur Problembewältigung zu entwickeln, kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass Hunde kein logisches Denken, wie es beim Menschen zu finden ist, besitzen. Sie sind zwar in der Lage, einfachste Sachverhalte zu lösen, ihnen fehlt aber die Gabe der Kombination und Schlussfolgerung. Das Denken des Hundes beruht auf „Lerninhalten“. Der Hund verknüpft bestimmte erlernte Dinge und dies lässt uns den Eindruck gewinnen, dass Hunde logisch denken können. Britta Osthaus, die Wissenschaftlerin, deren Versuche hier beschrieben wurden, ist der Annahme, dass Hunde ihr logisches Denken verloren haben, da der Mensch sehr häufig die Probleme der Hunde löst. Hunde entwickelten dahingegen eine „einzigartige Form der sozialen Intelligenz“, indem sie den Menschen durch Mimik, Gestik und Körperhaltung dazu bringen, die vom Hund gewünschte Lösung herbeizuführen. (BM/TAZ 2010)

Mit den Sinnen eines Jägers
Das Tiere meist besser ausgeprägte Sinne als der Mensch haben, ist weitläufig bekannt. Während der Mensch alle Wahrnehmungen sofort mit genauen Begriffen, also mit Sprache, verknüpft, speichert der Hund alle Eindrücke wohl in bildlicher Form. Beim Sehen hat der Hund gegenüber dem Menschen Vorteile, da er jede einzelne Bewegung wahrnimmt und sein Nachtsehvermögen stärker ausgeprägt ist, aber auch erhebliche Nachteile, da er alles, was ab 1 Meter von ihm entfernt ist unscharf wahrnimmt und lediglich gelbgrüne und blauviolette Farben wahrnehmen kann. Bekannter dürfte da jedermann sein, dass der Hund ein sehr gutes Hörvermögen besitzt, da er Töne im Frequenzbereit bis zu 65000 Hertz wahrnimmt und die Quelle der Geräusche nahezu perfekt ausmachen kann. Der Tastsinn des Hundes beschränkt sich auf die Nasen- und Schnauzenregion, in der die meisten Nervenzellen sitzen, die Fußballen und die Schnurrhaare. Interessant ist, dass Hunde zwar ein Empfinden für Kälte haben, aber Hitze nicht wahrnehmen können. Das Schmerzempfinden ist dem des Menschen sehr ähnlich, wohingegen Hunde nicht jeden Schmerzreiz stimmlich kommentieren. Dies scheint ein noch verankerter Urinstinkt zu sein. Schmerz könnte im Rudel als Schwäche angesehen werden und die Tiere in eine potentielle Opferrolle drängen oder sie gar den ranghöheren Platz im Rudel kosten. Der nahezu am perfektesten ausgebildete Sinn beim Hund ist der Geruchssinn. Der Hund kann ältere von neueren Duftspuren unterscheiden und die einzelnen Komponenten aus einer Fülle von Düften herausfiltern. Durch das Inhalieren von Pheromonen, die jedes Lebewesen abgibt, bekommt der Hund viele Informationen. Eine weitere Besonderheit ist das beim Hund vorhandene Jabobsonsche Organ, dass es dem Hund ermöglicht, Gerüche quasi zu „schmecken“. (BM/TAZ 2010)

Raum und Zeit
Ein bis dato noch recht unerforschtes Gebiet bezüglich des Denkvermögens von Hunden wurde anhand einiger Testreihen, deren Ergebnisse dazu beitragen sollen, zu verstehen, wie Hunde denken und ob sie ein Erinnerungsvermögen besitzen, ergründet. Da es den Wissenschaftlern an möglichen Versuchsstrategien mangelt, gibt es lediglich begrenzte bis gar keine Forschungsergebnisse. Auf Grund der durchgeführten Versuche gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sich Hunde primär „egozentrisch“ orientieren und wenn dies nicht möglich ist eine allozentrische Orientierung anwenden. Zum Erinnerungsvermögen des Hundes gibt es noch weit weniger Resultate. Fest steht bis heute lediglich, dass sich Hunde, auch über einen Zeitraum von ca. 4 Minuten, überwiegend die Lage von Gegenständen merken konnten. (BM/TAZ 2010)

Die Logik des Hundes
Nach mehrfachen Testreihen, unter anderem im direkten Vergleich mit Kindern, stellen die Forscher fest, dass Hunde zwar sehr intelligent sind, aber nicht in der gleichen Weise denken, wie Menschen. Würde man sich lediglich an den Versuchen der Forscher orientieren, müsste man davon ausgehen, dass Hunde nicht in der Lage sind, logische Zusammenhänge zu erkennen. Da jedoch, wenn auch teilweise nur anekdotisch, bekannt ist, dass Hunde teilweise schwierige Aufgaben scheinbar mühelos bewerkstelligen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Hunde eine eigene Art „logischen Denkens“ haben, die weiter erforscht werden muss.

Der Vordenker
Der amerikanische Psychologe Harry Frank führte ein Experiment mit Wölfen und Hunden durch um zu überprüfen, ob die Domestikation der Hunde Auswirkungen auf das Gehirn hatte. Speziell wollte er die Frage klären, ob die Domestikation Veränderungen im Gehirn bewirkte und ob Unterschiede zwischen dem Verhalten des Wolfs und des Hundes in Bezug auf die Fähigkeit Probleme zu bewältigen und deren Trainierbarkeit ersichtlich sind.
Während seiner Arbeit gelangte Frank zu folgenden Ergebnissen. Während Wölfe über ein hohes Maß an Kompetenz zur Bewältigung aufweisen und sehr geschickt die gestellten Aufgaben lösten, ist diese Fähigkeit beim Hund sehr gering ausgeprägt. Der Hund lernt durch ständige Wiederholungen, tat sich hingegen durch seine Gelehrigkeit in den ‚Trainingsexperimenten“ hervor aber verlässt sich bei der Problembewältigung größtenteils auf den Menschen, als selbst stetig auszuprobieren. Lediglich bei leichten Aufgaben gelang es den Hunden zur Lösung zu gelangen. Bei dem Experiment zur Problemlösungsfähigkeit fiel bei den Wölfen weiterhin auf, dass sie einmal erlerntes Verhalten, dass zu Erfolgen führte, in den gleichen Situationen immer wieder zeigten. Frank begründet dies damit, dass dies für wildlebende Tiere überlebenswichtig ist. Frank geht davon aus, dass der Wolf in seinem Gehirn zwei Bereiche hat. Einen, der die Instinkte steuert und einen der als kognitiver Speicher dient. Beim Hund hingegen scheinen beide Bereiche zu einem verschmolzen zu sein, was dem Hund ein breiteres und flexibleres Spektrum an Verhaltensmustern beschert. Das Fazit dieses Experiment benennt Frank wie folgt: Jedes der beiden Tiere sticht in dem für ihn gewohnten Umfeld durch „Klugheit“ heraus. (BM/TAZ 2010)

Die nächste Generation
Die Verhaltensforscher Ádám Miklósi, Vilmos Csányi und József Topál, knüpften an die Arbeiten von Harry Frank an. Die drei Wissenschaftler führten mit 28 Hunden ein Experiment zur Problemlösungskompetenz durch und kamen zu erstaunlichen Erkenntnissen, die Frank nicht berücksichtigt hatte. Bevor der Test starten konnte, wurden die Hundehalter anhand von Fragenbögen gebeten, ihre Beziehung zu ihrem Hund zu beschreiben. Nach Auswertung der Fragebögen wurden die Hunde und ihre Besitzer in zwei Gruppen eingeteilt, „Begleiter“ und „Arbeitshunde“. Dem Fragebogen folgte ein Vortest, der die Gruppeneinteilung untermauern sollte und aufzeigen sollte, wie stark die Bindung der einzelnen Hunde zu ihren Besitzern ist. Nun folgte das eigentliche Experiment. Ein Raum wurde durch einen Zaun getrennt, an dem 10 Behälter mit Wurst angebracht waren. Auf der einen Seite der Absperrung waren der Hund und sein Halter, auf der anderen Seite der Forscher. Jeweils fünf der Behälter wiesen mit dem Henkel entweder zum Forscher oder zum Hund. Der Forscher betätigte in regelmäßigen Abständen einen Behälter nach dem anderen und entnahm die Wurst und aß diese. Nun wurde der Halter angewiesen, seinen Hund dazu zu bringen, es dem Forscher gleich zu tun. Während des Experiments stellte sich nun erstaunlicherweise heraus, dass der Hund sehr wohl in der Lage ist, schwierige Aufgaben zu lösen, dass jedoch der Grad der Bindung zum Menschen den Hund bei der Problemlösung beeinflusst. Die Forscher stellten fest, dass Hunde, die in den beiden vorherigen Tests bereits durch eine starke Bindung zum Halter auffielen, stets auf die Aufforderung oder Ermutigung des Halters warteten und fast gar keine Eigeninitiative zur Problemlösung zeigten. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass der Hund, wie jedes Tier, eine eigene „Intelligenz“ besitzt. So ist die Fähigkeit des Hundes mit einem Menschen sehr eng zusammenzuleben und ihm zu folgen und dessen Entscheidungen zu vertrauen, obwohl der Mensch ja eine andere Lebensform ist, als Intelligenz zu werten. (BM/TAZ 2010)

Auf der Spur des Verstandes
Ein deutsches Team von Wissenschaftlern arbeitet hin und wieder auch mit ihren ungarischen Kollegen zusammenarbeiten und Ergebnisse austauschen, obwohl diese von beiden Teams manchmal ganz unterschiedlich interpretiert werden. Zum Beispiel hinsichtlich der Frage, warum der Mensch ausgerechnet eine enge Bindung mit dem Wolf einging, scheiden sich die Geister. Das deutsche Team vertritt die Meinung, dass es bloßer Zufall war, dass der Mensch die enge Bindung mit dem Wolf einging und gehen sogar soweit zu behaupten, dass der Mensch in der Lage gewesen wäre, mit jedem beliebigen Tier diese enge Bindung einzugehen. Ihre ungarischen Kollegen hingegen sind der festen Überzeugung, dass diese enge Bindung lediglich mit dem Wolf möglich war, da sich die Sozialstrukturen von Mensch und Wolf ähneln. (BM/TAZ 2010)
Im Speziellen geht es den deutschen Forschern jedoch darum, Fragen zum Vorhandensein kausalen Denkens bei Hunden zu beantworten. Sie wollen herausfinden, ob Hunde zu kausaler Intelligenz fähig sind. Diese Frage stellt sich speziell, wenn man die im vorherigen Kapitel erwähnten Ergebnisse bezüglich der Beeinflussung der Problemlösungsfähigkeit durch den Bindungsgrad zum Menschen betrachtet. Ist eine kausale Intelligenz für den Hund von Nöten, wo doch der Mensch stets als Problemlöser agiert? Außerdem sollen Fragen geklärt werden, in wieweit die gemeinsame Entwicklung von Mensch und Hund die Beziehung zueinander prägte und welche Spuren dies hinterlassen hat. (BM/TAZ 2010)

Die Goldgräber
Der Wissenschaftler Werner Fischel erforschte das Sprachverständnis von Hunden und kam zu dem Schluss, dass Hunde ein gelerntes Kommando fehlerfrei ausführen können, aber es fehle ihnen an der Fähigkeit „um die Ecke zu denken“. Mit seinen Forschungen schuf er einen Meilenstein. (BM/TAZ 2010)
Der amerikanische Wissenschaftler John Paul Scott (Zoologe) und dessen Kollegen John L. Fuller (Psychologe), ergründeten in ihren Forschungsarbeiten, ob und inwieweit sich Verhalten durch Vererbung beeinflussen lässt. Während ihrer Forschungsarbeit gewannen sie herausragende Kenntnisse darüber, dass es rassespezifische Unterschiede im Verhalten gibt und dass die genetische Vererbung maßgeblich an der Ausprägung spezieller Verhaltensformen mitwirkt. (BM/TAZ 2010)

Die Labormaschinen
Agieren Hunde lediglich triebgesteuert oder besitzen sie ein reales Bewusstsein? Bereits Philosophen wie Platon und Aristoteles attestierten Tieren ein Bewusstsein, ohne, dass dies wissenschaftlich untersucht werden konnte. Im 20. Jahrhundert hingegen, herrschte die Meinung vor, dass es sich bei Tieren um Wesen ohne nennenswerte Intelligenz handele und diese sich ihrer Existenz nicht bewusst seien. Auch die Wissenschaft beschränkte sich in ihren Versuchen lediglich auf das Erforschen von physischen Reaktionen, Körperbau und biologischer Abläufe. Besonders das Experiment mit Hunden von Pawlow, welches in die Geschichte als „Pawlowscher Hund“ einging, trug immens zur Untermauerung dieser Theorie bei. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts änderte sich, auch dank des Zoologen Donald Redfield Griffin und der Verbreitung der Ethologie, diese Ansicht. (BM/TAZ 2010)

Auf dem Weg zum Hund
Archäologische Funde von Schädelknochen, die eindeutig Wölfen zugeordnet werden konnten und im Alter auf ungefähr 27000 Jahre geschätzt wurden, konnten den Wissenschaftlern Aufschluss über den Ablauf der Wandlung vom Wolf zum Hund geben. Auf Grund der auffälligen Zahnanomalien, welche häufig bei in Gefangenschaft lebenden Wölfen zu finden ist, und der leicht verkürzten Schnauze würde dies die Theorie, dass die Zähmung des Wolfs zum Hund erst vor ca. 14000 Jahre stattfand, widerlegen. Auf Grund der Seltenheit solch alter Funde, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die damals lebenden Menschen mehrere Versuche unternommen haben um den Wolf zu zähmen und damit in ihre Gemeinschaft zu integrieren. (BM/TAZ 2010)

Als sie Kontakt aufnahmen
Zum Ablauf der Domestikation gibt es zwei Theorien. Die erste Theorie begründet die Domestikation auf ein vom Menschen ausgehendes zielorientiertes und vorsätzliches Handeln. Anhänger dieser Theorie gehen davon aus, dass der Mensch verwaiste Jungtiere aufzog und bewusst verpaarte.
Die zweite Theorie widerspricht dieser Ansicht vehement, da zahmes Verhalten nichts mit Domestikation zu tun hat. Für die Anhänger dieser Theorie ist es wahrscheinlicher, dass der Wolf selbst sich domestizierte als der Mensch anfing sesshaft zu werden oder zumindest saisonal an einem Ort zu verbleiben. Die Speisereste entsorgte der Mensch wohl außerhalb des Lagers, was wiederum Wölfe anzog, da sich dies als bequeme Nahrungsquelle anbot. Da Ranghohe Tiere jedoch durch das natürliche Flucht- und Jagdverhalten sehr scheu sind, gehen Forscher davon aus, dass sich überwiegend rangniedere Tiere an den Speiseresten bedienten.
Diese „Abhängigkeit“ vom Menschen führte zu Verhaltensänderungen. Die Tiere wurden zahmer und weniger scheu. Auch äußerliche Veränderungen, wie die Veränderung des Gebisses und die Minimierung der Körpergröße sowie die Verringerung der Hirnmasse fanden statt. Durch die gezielte Auswahl und Verpaarung einzelner Tiere, die dem Menschen gefielen oder am nützlichsten erschienen, wurde die Domestikation vorangetrieben. (BM/TAZ 2010)

Wenn die Natur Sprünge macht
In einer Pelztierfarm in Sibirien wurde unbewusst der Ablauf der Domestikation veranschaulicht. Der Eigentümer der Farm domestizierten ungewollt Silberfüchse, die nun Eigenschaften von Hunden aufweisen. Er verpaarte gezielt nur die Tiere miteinander, die wenig oder gar nicht aggressiv oder scheu waren um die Arbeit mit den Tieren zu vereinfachen. Ohne jegliche Erwartungshaltung an eine Domestikation dieser Tiere wiesen diese bereits nach wenigen Generationen Eigenschaften und Äußerlichkeiten von Hunden auf.
Der Anthropologe Brain Hare führte seinerseits Experimente mit den domestizierten Füchsen durch und kam zu dem Ergebnis, dass man nicht auf bestimmte Verhaltensweisen hin züchten musste, da sich diese anscheinend von allein ergaben, wenn man mit den Tieren an der Beseitigung der Angst, Aggression oder Scheu arbeitete. (BM/TAZ 2010)

Die Koevolution
Beruhte das Zusammentreffen von Mensch und Wolf auf einem Zufall oder hätte die Domestikation eines anderen wilden Tieres auch zu dieser einzigartigen Verbundenheit von Mensch und Tier geführt? Einheitlich geht man davon aus, dass das Zusammentreffen von Mensch und Hund kein Zufall war. Lediglich bei den dazuführenden Gründen scheiden sich die Geister. Einige Wissenschaftler sind der Überzeugung, dass die sich ähnelnden Sozialen Fähigkeiten (z.B. Leben in einer Gemeinschaft, Teilen von Nahrung. Aufzucht von Nachkommen, Monogamie…) von Mensch und Wolf zu einer Verbündung beider führen musste. Weiterhin stellen sie die Behauptung auf, dass ein enges Zusammenleben lediglich dadurch ermöglicht wurde, dass der Wolf seine spezifischen Verhaltensweisen sowie Mimik und Gestik den Verhaltensweisen des Menschen anpasste.
Andere Forscher sind indes der Überzeugung, dass ein Zusammenleben nur dadurch ermöglicht wurde, dass sich der Mensch die sozialen Kompetenzen des Wolfs aneignete, da Primaten nach heutigen Forschungsergebnissen als nur „gering sozial“ gelten und im überdurchschnittlichen Maße egoistisch sind. (BM/TAZ 2010)

Wie kamen Mensch und Hund zusammen?
Wie bereits in den vorherigen Kapiteln erwähnt, belegen archäologische Funde, dass der Hund den Menschen bereits seit ca. 14000 Jahren begleitet. Ob sie in den Anfängen als Jagdhelfer, religiöse Opfergaben oder lediglich als Nahrungsquelle dienten, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Erst in bildlichen Funden, welche auf ca. 8000 – 9000 Jahre datiert werden, sind Hunde in Begleitung von Menschen bei der Jagd ersichtlich. Spätere Funde ließen bereits erste Zuchtansätze erkennen. Die Babylonier zum Beispiel züchteten bewusst große, massige Hunde, die heute als Mastiff bekannt sind, zum Bewachen und den Kriegseinsatz. Aufzeichnungen und Bildnisse des antiken Roms lassen erkennen, dass bereits zu damaliger Zeit eine gezielte Zucht von bestimmten Hunderassen stattgefunden hat. Es wurden zum Beispiel Kampfhunde für Gladiatorenkämpfe, Schoßhündchen für die gehobene Gesellschaft, Wach- und Hirtenhunde sowie Wind- und Stöberhunde gezüchtet. Eine Rückführung heutiger Rassen auf die Hunde der damaligen Epochen ist auf Grund des Zerfalls kultureller Errungenschaften im Mittelalter nicht mehr möglich. Alle heute bekannten Rassen gehen auf neuere Züchtungen über einen Zeitraum von ca. 150 Jahren zurück. (BM/TAZ 2010)

Der Blick ins Gehirn
Hat die Domestikation des Hundes Spuren im Gehirn hinterlassen hat, mit denen sich Eigenschaften wie Zahmheit erklären ließen? In Untersuchungen von Proben aus drei Gehirnarealen von 10 Hunden, 10 Kojoten und 5 Wölfen wurde nachgewiesen, dass sich die Gehirnregion, die für die Emotionen und überlebensnotwendige Reaktionen verantwortlich ist, sich beim Hund wesentlich von denen der Kojoten und Wölfe unterscheidet. Dass die Domestikation dafür verantwortlich ist, konnte in dieser Studie jedoch nicht geklärt werden, da die Forscher nicht nachweisen konnten, „ob die Unterschiede zwischen den Hirnarealen auf genetisch dauerhaft in der Spezies Hund fixiertem Wandel beruhen – oder bloß auf Einflüssen jener speziellen Umwelt, in der die untersuchten Tiere lebten“*. Um diese Frage beantworten zu können, wurden Versuchstiere (Silberfüchse) einer russischen Pelztierfarm in die norwegische Upsalla University gebracht. Bereits auf der Pelztierfarm gab es Fortpflanzungsexperimente dahingehend, dass lediglich die Tiere gepaart wurden, die äußert zahm waren. Auf Grund dieser Verpaarungen konnte man nach einigen Generationen erkennen, dass die Tiere sich im Verhalten wie Hunde benahmen. Diese Tiere wurden an der Universität zusammen mit wilden Silberfüchsen gehalten. Die Untersuchungen der Gehirnareale zeigte auch hier eine deutliche Abweichung in dem Bereich, der für die Emotionen und Reaktionen zuständig ist. Da die Tiere jedoch nicht in ihrem natürlichem Umfeld sondern in einer künstlichen Umgebung mit Menschen zusammen lebten, ist die Frage, ob die Domestikation Auswirkungen auf das Gehirn hatte noch immer nicht eindeutig geklärt. (BM/TAZ 2010)

Die Heimat aller Hunde
Eine 2002 erschienene Studie, die in der Abstammungsfrage mit der Studie von 1997 übereinstimmt, weicht jedoch, was das Alter des Hundes betrifft, enorm von der ersten Studie ab. Bei der 1997 veröffentlichten Studie wurden lediglich Proben von 140 Hunden aus 67 Rassen ausgewertet. In der 2002 veröffentlichten Studie wurden Genproben von insgesamt 654 Hunden aus allen Teilen der Erde analysiert und ausgewertet. Die Forscher führten die gleichen Untersuchungen durch, die bereits in der Studie 1995 angewendet wurden und kamen zu dem Ergebnis, dass es den Hund seit ca. 41000 Jahren gibt und seinen Ursprung in Ostasien hat. Über die Schätzung bezüglich des tatsächlichen Alters des Hundes gibt es bis heute jedoch mehrere Theorien. Trotz moderner Wissenschaft ist es bis heute nicht gelungen, das Alter des Hundes genau zu bestimmen. (BM/TAZ 2010)

Zu neuen Ufern
Auch die Entstehungs- und Ausbreitungsgeschichte des australischen Dingos, des amerikanischen Hundes sowie des mexikanischen Nackthundes beschäftigten die Wissenschaft. Den Forschern ging es darum herauszufinden, ob diese Tiere eigene Vorfahren hatten, also eine eigenständige Tierart waren, oder ob sie durch die Kolonisierung der Kontinente durch den Menschen auf Grund von Verpaarungen mit einheimischen Wölfen entstanden. Die Wissenschaftler kamen bei allen drei Tieren zu dem Ergebnis, dass der Ursprung in Ostasien liegt. Bei den australischen Dingos kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass diese, als bereits domestizierte Hunde über den Seeweg nach Australien kamen und sich dort vom Menschen lösten und eine wildlebende Spezies wurde. Bei den amerikanischen Hunden kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass auch hier Siedler bereits domestizierte Hunde auf dem Seeweg mitbrachten. (BM/TAZ 2010)

Die Suche nach dem Urhund
Die Frage, ob der Hund vom Wolf abstammt oder ob er eine eigenständige Rasse ist, sollte die Wissenschaft über Jahrhunderte beschäftigen. Angefangen bei dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707 – 1778), der, die bis heute akzeptierte binäre Nomenklatur und damit eine systematische Einteilung von Lebewesen schuf, über Georges Louis Leclerc Graf von Buffon, der Linné, was die Entstehung von Leben betraf, widersprach und von einer „Urzeugung“ aus kleinsten Teilchen ausging. Nach der anfänglichen Annahme, der Hund würde von einer ausgestorbenen Urrasse, dem „Urhund“ und nicht vom Wolf abstammen, korrigierte er nach durchgeführten Kreuzungsexperimenten zwischen Hunden und Wölfen seine Ansicht.
Mit den Biologen Johann Anton Güldenstädt und Peter Simon Pallas und Charles Darwin bekam die Abstammungsgeschichte des Hundes eine ganz neue Wendung. Während Güldenstädt den Goldschakal als Urvater des Hundes betrachtete, ging Pallas von einer Mischung aus Fuchs, Wolf, Schakal und Hyäne als Ahnen aus. Auch Darwin konnte sich nicht vorstellen, das der Hund eine einzige Urform hatte. Erst die genauen anatomischen und physiologischen Beobachtungen von Wolf Herre, Manfred Röhrs sowie Herwart Bohlken führten dazu, dass letztendlich der Wolf als einziger Vorfahre des Hundes gilt. (BM/TAZ 2010)

Die molekulare Uhr
Um wissenschaftlich nachweisen zu können, ob der Hund vom Wolf abstammt, nutzten Wissenschaftler die Möglichkeit der genetischen Ahnenforschung. Man kann anhand der so genannten „genetischen Distanz“ ermitteln, wie eng verwandt oder wie weit entfernt zwei Populationen sind. Die „genetische Distanz“ wird als „geschichtswissenschaftliches Werkzeug“ bezeichnet, da mit ihr wichtige Etappen in der Entwicklung einer Spezies rekonstruiert werden können. Hierzu wird die mitochondriale DNA untersucht. Mitochondrien sind Zellbestandteile, die eine eigene DNA, welche sich erheblich von der DNA des Zellkerns unterscheidet, besitzen. Diese mitochondriale DNA ist ständigen, zufälligen Mutationen unterworfen. Die Anzahl der Mutationen gilt als Gradmesser der genetischen Distanz und gibt Aufschluss über den Zeitpunkt der Trennung zweier Populationen. Da sich die mitochondriale DNA nur mütterlicherseits vererbt, kann man somit die Geschichte des Hundes bis zur ersten Hündin zurückverfolgen.

Wie kommunizieren Mensch und Hund miteinander?
Versteht der Hund die Ausdrucksformen des Menschen? Sind Hunde außerordentlich klug? Denken Mensch und Hund ähnlich? Dies sind Fragen, die die Wissenschaft bereits seit mehreren Jahren beschäftigen. Um diese Fragen beantworten zu können entwickelten mehrere Forscher verschiedenste Versuchsreihen, die darauf abzielen, diese und andere Fragen zu beantworten.
Ein Beispiel dafür ist das Experiment mit dem Belgischen Schäferhund Vendel. Der Schäferhund befindet sich mit einer ungarischen Wissenschaftlerin in einem Raum, in dem zwei Glasbehälter nebeneinander stehen. Ein Behälter ist durchsichtig, der andere nicht. Ein Ball wird nun, ohne das der Hund dies sieht, in den undurchsichtigen Behälter getan und diesen dann vor den Augen des Hundes dort wieder hinauskullern. Wieder versteckt man den Ball im undurchsichtigen Behälter, doch diesmal versucht die Forscherin, Vendel durch Gestik davon zu überzeugen, dass sich der Ball im durchsichtigen Behälter befindet. Zum Erstaunen der Wissenschaftler läuft Vendel zum undurchsichtigen Behälter.
Im speziellen dient das durchgeführte Experiment dazu, herauszufinden, ob sich der Hund blind auf die Hinweise eines Menschen, die in diesem Experiment irreführend waren, oder die eigenen Beobachtungen, die hier den Erfolg versprachen, verlässt. (BM/TAZ 2010)

Kenntnisse zur Hundeintelligenz
Um wissenschaftlich zu klären, wie intelligent Hunde nun wirklich sind oder ob die viel gepriesene überragende Intelligenz der Hunde sich lediglich auf anekdotisches Wunschdenken der Halter beschränkt, ist der Blick in eine ferne Vergangenheit vonnöten – sprich eine wissenschaftliche Reise zu den Ursprüngen des heutigen Haushundes. Mit Hilfe modernster genetischer Methoden sollen die seit Jahren diskutierten Fragen nach der Abstammung, der Herkunft und des Alters des Hundes geklärt werden.
Um diese Fragen beantworten zu können, haben Teams von Wissenschaftlern 0,1g – 0,5 g Gehirnmasse aus drei Gehirnarealen von 10 Haushunden, 10 Kojoten und 5 Wölfen entnommen. Die zentrale Frage bei dieser Untersuchung bezog sich auf das eventuelle Vorhandensein möglicher Spuren, die die Abspaltung des Hundes vom Wolf im Gehirn hinterlassen haben könnte.
Die Proben aus den Gehirnarealen sollen Aufschlüsse über das Wesen von Hunden geben. Proben von DNS, die die Forscher, genau wie die Gehirnmasse, bei Autopsien gewannen, sollen die komplette Evolutionsgeschichte aufzeigen und die Abstammungsfrage klären. Weiterhin kann über die DNS auch der Weg der Ausbreitung des Hundes nachvollzogen werden. (BM/TAZ 2010)